• Christian Hopf

„nur im Karwendel glücklich sein"


Wenn die Tage wieder länger werden, wenn die Hände nicht mehr vom Fahrtwind frieren und wenn die ersten Frühlingsblumen durch die dünne Schneedecke spitzen, dann ist die schönste Radelzeit.


Dann ist die Zeit für Bike & Ski. Das Fahrrad verkürzt den langen Zustieg bis zum Schnee und sorgt für eine Verlängerung der Abfahrt bis zum Ausgangspunkt der Tour.


Meist sind wir Bergsportler ja mit dem PKW unterwegs. Das Auto scheint in vielerlei Hinsicht das schnellste und angenehmste Verkehrsmittel zu sein. Aus langjähriger Erfahrung kann ich dem nur noch bedingt zustimmen. Oft ist es nur die letzte Meile, die öffentlich schlecht angebunden ist.

Der folgende Bericht soll als Inspiration und Motivation dienen um mehr Leute davon zu überzeugen, das Auto auf die letzten Meter stehen zu lassen bzw. sogar ganz mit der Bahn anzureisen.

März 2022 war sehr lange sehr trocken und auch ungewöhnlich warm, während es in der Nacht durch den klaren Himmel in den Bergen noch strengen Frost hatte. Damit die durchfeuchtete Schneedecke über Nacht abstrahlen kann und in der Früh tragfähig und hart ist braucht es eben genau solche Bedingungen. Außerdem, hatte es schon seit Wochen keinen Niederschlag gegeben. Somit war auch die Lawinengefahr sehr gering (Stufe 1) , mit einem Anstieg des Risikos am Nachmittag (Stufe 2) durch die hohe Sonneneinstrahlung. Alles in allem, die perfekten Tourenbedingungen für Bike & Ski.

Das Karwendel hatte diesen Winter noch mit am meisten Schnee abbekommen, darum machte ich mich auf in den größten Naturpark Österreichs.

Mit öffentlichen Verkehrsmittel ist leider außerhalb der offiziellen Saison (Bergbus Eng 4.6-16.10.22) nicht viel zu machen. Der Bergbus ab Lenggries Richtung Hinterriss bietet vor allem am Wochenende attraktive Fahrzeiten an (ab Lenggries BHF: 7:18 ; 8:18; 9:30; 10:30; 14:30; 16:18; 17:28). Unter der Woche ist das Angebot auf zwei Fahrten am Tag ausgedünnt (10:20; 15:20)

Wer also zwischen Oktober und Juni nach Hinterriss bzw. in die Eng möchte, der hat nur wenige Alternativen zur Anreise mit dem PKW. Gerade im Spätwinter sind die Karwendeltäler doch ein sehr lohnenswertes Ziel für allerlei Bergaktivitäten. Zum einen sei die Kanada Loipe erwähnt welche von Wallgau aus bis nach Vorderriss läuft. Dort besteht dann sogar noch Anschluss bis hinter zum großen Ahornboden in die Eng. Zum anderen ist das Karwendel auch eine traumhafte Gegend für ausgedehnte Skitouren. Das Naturschutzgebiet stellt die größte fast gänzlich unbesiedelte Fläche Österreichs dar, in der die Ruhe und Einsamkeit spürbar wird.

Die Anzahl der Fahrzeuge kurz vor der Staatsgrenze bei der Skitour zum Schafreuther ist ein guter Indikator für die Attraktivität der Region - selbstverständlich auch im Winter. Im Übrigen sollte auch erwähnt werden, dass das Skitourengehen mittlerweile im Mainstream angekommen ist und auch weiterhin zunehmen wird.

In der „Nebensaison“ zum Langlaufen oder Skitourengehen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Eng gibts also keine Möglichkeiten. Ausser… man radelt!





Von München aus kann man ganz bequem die jeweils passende Bahnverbindung auswählen. Die Leute im Umland sollten sich wohl entscheiden zwischen einer Fahrt mit der RB über Garmisch in Richtung Innsbruck (Werdenfels Ticket) oder der BOB nach Lenggries. Als Starpunkt für die jeweiligen Skiunternehmungen bietet sich Klais bzw. Lenggries an. Natürlich gibt es auch noch andere lohnenswerte Zugänge ins Karwendel, z.b. ab Scharnitz oder Mittenwald, übers Hafelekar von Innsbruck, von Hall vorbei an den Herrenhäusern, oder vom Achensee aus.

Ich habe diesmal die Fahrt nach Klais (Krün) ausgewählt. Zum einen weil ich näher an der Zugstrecke München Garmisch wohne, zum anderen sind es von Lenggries ein paar Kilometer mehr. Entscheidend aber ist, dass es von Klais bis nach Vorderiss noch ein Stück bergab läuft ich somit weniger Höhenmeter zu radeln habe. Bis zu meinem Tagesziel mit dem Radl waren es dann gerade mal knapp 300hm. Der Zustieg zum Start der Skitour beträgt somit ca. 36km und etw. 300hm. Mit dem Ebike sollte die Strecke für die Meisten in knapp 2 Stunden zu schaffen sein. Wer ohne Unterstützung unterwegs ist, braucht vielleicht ein paar Minuten länger. Die Zeit ist bei der Strecke sowieso eher zweitrangig, da das Karwendelvorgebirge entlang der Isar landschaftlich zum verweilen einläd.





Die geteerte Mautstraße nach Vorderriss lässt sich wunderbar radeln, es gibt zwar keinen Radweg, aber der PKW Verkehr im März hält sich noch in Grenzen. Allerdings sollte man aufpassen falls die Straße noch nicht komplett schneefrei ist. Kleine Wasserlachen können in der früh noch gefroren sein und man kann mit dem Radl böse fallen, wenn man nicht darauf gefasst ist. Am Nachmittag ist bei entsprechender Sonneneinstrahlung dann alles weich und matschig, da wird man dann blos dreckig;-)


Nach knapp 20km kommt man in Vorderriss an und biegt dann in das ca. 25km lange Sacktal in Richtung Eng ab. Das Ende meiner Anfahrt sollte dieses Mal der Abzweig in Richtung Lalidertal sein. Geplant war eine Übernachtung im Winterraum der Falkenhütte. Ab Vorderriss also nochmal ca. 16km. Die Steigung der Straße ist sehr gemächlich, man kommt mit dem Fahrrad auch ohne Unterstützung gut voran.



Die Landesgrenze querend erhascht man immer wieder erste Blicke in die Felswände des Karwendels. Als Stärkung und wilkommene Pause kam mir der Gashof zu Post in Hinterriss sehr gelegen. Man bekommt dort solide Tiroler Speisen und auch leckere Forellen aus dem Rißbach.







Mit Knödel und Fisch im Bauch waren die letzten Meter bis zum Einstieg ins Lalidertal an sich ein Leichtes. Im März ist die Mautstraße jedoch nicht komplett schneefrei und es wurde mit meinem „Gravelbike“ dann doch noch etwas spannend.










Der Aufstieg zur Falkenhütte mit den Ski geht recht zügig voran. Man folgt dem Forstweg der sich bis hinter in das Tal zieht. Kurz vor dem Talschluss, bei ein paar Hütten schwenkt man nach rechts und gelangt über einen etwas steileren Absatz zur Falkenhütte (Das Bild ist nicht zeitgleich entstanden, bei meiner Ankunft wars schon finster). Meine Kollegen, deren Karwendel Durchquerung ich mich anschließen wollte, waren etwas überrascht über den späten Gast. Bei Skitouren in dieser Traumgegend ist es ratsam sehr früh aufzubrechen, weil die Wege sehr lang sind. Nach einer herzlichen Begrüßung ging es also rasch ins Bett.





Fortsetzung folgt





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