• Christian Hopf

Aufs Karwendeldach

Der Winterraum der erst vor Kurzem neu renovierten Falkenhütte lässt keine Ansprüche offen. Bei den Arbeiten wurde sogar ein Stromkabel aus der Eng verlegt, sodass man fast wie Zuhause auf einer elektrischen Kochplatte die hochgetragenen Speisen zubereiten kann. Auch die Heizung ist elektrisch und macht die Bude schnell recht gemütlich. Der urige Charm ist zwar etwas verloren gegangen, aber dieser Wunsch sollte uns bereits am nächsten Abend auf dem Hallerangerhaus in Erfüllung gehen.

Unser Weg sollte uns also über den kleinen Ahornboden am Karwendelhaus vorbei, hinauf auf die Birkkarscharte, hinab entlang des Birkkarbachs in das entlegene Erautal führen. Von dort aus gab es zur Belohnung noch einen letzten Anstieg über die Kastenalm zum Hallerangerhaus.

Die beschriebene Routenführung erfordert in vielerlei Hinsicht alpinistische Erfahrung und Umsicht, denn insbesondere der Auftieg zur Birkarrscharte ist teilweise recht steil und ausgesetzt. Je nach Verhätnissen ist es ratsam mit Steigeisen und Pickel ausgerüstet zu sein. Auch bei der Abfahrt sollte man allseits sicher auf den Ski stehen und an steile Abfahrten im Gelände gewöhnt sein.

Wem das ein bisschen zu extrem klingt, sollte aber nicht unbedingt abgeschreckt sein. Es gibt auch leichtere Skitouren im Karwendelgebirge. Von der Falkenhütte ausgehend lässt sich auch der Mahnkopf gut erreichen. Der schöne Westhang mit Abfahrt ins Johannestal stellt keine großen Schwierigkeiten dar. Noch später im Jahr (ca. Mai) lässt sich das Karwendelhaus mit dem Fahrrad von Scharnitz gut erreichen. Wer auf der Suche nach einem gebührenden Skitouren Saisonabschluss ist, der kann eine Nacht im Winterraum des Karwendelhaus (vielleicht ist der Biervorrat noch nicht aufgebraucht) verbringen und anschließend das Schlauchkar anspuren.

Unsere Tour führte uns also zunächst einmal über offenes Gelände zur Ladizalm. Dem Adlerweg folgend geht es dann durch den Wald über mehrere Schleifen hinab zum kleinen Ahornboden. Ganz zur „Freude“ unseres Schneebrettfahrers gab es auch immer wieder ein paar Stellen zum Anschieben. Die Splittboardfahrer brauchen in jeden Falle eine gewisse Leidensfähigkeit im Karwendel, da es eben sehr viele solche Anschiebstellen gibt.





Am Kleinen Ahornboden ganz in der Nähe der Jagdhütte Pürschhaus, findet man eine gute Quellfassung. Normalerweise kann man sich hier seine Wasservorräte wieder auffüllen. Oft muss man auf den Winterräumen Schnee schmelzen für die Wasserversorgung. Wenn man den geschmolzenen Schnee nicht nur zum kochen braucht sonder auch trinken will ist es ratsam Mineralstoffe hinzuzugeben. Ansonsten, kann man auch an den entscheidenden Stellen aus Bächen oder Quellen nachfüllen.

Dem Adlerweg folgend in Richtung Westen gelangt man ohne große Schwierigkeiten rasch zum Karwendelhaus. Die kürzeste Aufstiegsroute in Richtung Schlauchkar verläuft direkt oberhalb der Hütte, durch die etwas ausgesetzte Lawinenverbauung. Je nach Schneelage, Ausrüstung und alpinistischer Erfahrung kann es ratsam sein das Kar etwas unterhalb der Hütte anzuspuren. Wir haben für das kurze Stück die Steigeisen angelegt und kamen sicher hinauf. Es ist im Allgemeinen sehr hilfreich mit dem Anlegen der Harsch- oder Steigeisen nicht zu warten bis man schon Mitten im Gefahrenbereich ist. Lieber frühzeitig die Situation erkennen und umbauen. Besonders bei eisigen Pistenskitouren kann man das ganz gut üben und es geht dann einfacher von der Hand wenn es drauf ankommt.

Je nach Schneelage ist es möglich mit angefellten Ski bis hinauf in die Scharte der Birkkar-Spitze zu kommen. Wer allerdings auf den Gipfel möchte sei spätestens ab der Biwackhütte gut beraten die Steigeisen anzulegen.








Bei uns war für die letzten 300hm im Schlauchkar bereits eine solide Stapfspur angelegt der wir dankbar mit den Ski auf dem Rucksack folgten. Nach Brotzeit, obligatorischen Gipfelaufnahmen vom Dach des Karwendels und etwas Literatur ging es die rassige Abfahrt hinab durch das westliche Birkkar. Je nach Schneelage und fortgeschrittenem Winter kann es in der Südseitigen Steigstufe vom Birkwaldl schon ein bisschen knapp werden mit der Schneedecke. Wir kamen ohne größere Tragepassagen gut hinab und befanden uns bald am Talboden des Erautals.





Tief im Herzen des Karwendels und unweit des Isarursprungs gelegen zieht sich das wilde und einsame Seitental entlang des Lafatschbachs hinauf zum Hallerangerhaus. Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir erschöpft und glücklich zugleich unser Nachtlager. Mit den Worten des legendären Pleisen Toni in seinem Karwendellied ausgedrückt: „Von ganzem Herzen möcht im Karwendel glücklich sein, nur im Karwendel glücklich sein.“




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